Bürger Namen Stobbe


Im Zuge der allgemeinen Siedelbewegung von West nach Ost, wurde im 14. Jahrhundert das Weichseldelta eingeicht und als "Grosses Marienburger Werder" bezeichnete Mündungsdreieck von Weichsel und nogat, ist bis zur Vertreibung 1945 die engere Heimat der Grossfamilie Stobbe - Tiegenhof gewesen.

Der nur zur Unterscheidung von Andersen familien gleichen namens dienende Zusatz bezieht sich auf die "Hauptstadt" des Werders, Tiegenhof, wo im 18,und 19. Jahrhundert Zweige der familie Ansehen und Wolhstand erlangten.

Namesforscher behaupten, der Familienname Stobbe sei im niederdeutschen Sprachbereich entstanden, als im Mittelalter den Rufnamen zur besseren Unterscheidung Familiennamen beigegeben wurden. Sie waren nicht willkürlich erfunder, sondern bezorgen sich häufig auf besondere körperliche Merkmale, berugliche Tätigkeit, Umwelt oder Herkunft. So wird zur Erklärung des namens Stobbe (Variationen: Stubbe, Stob, Stobb, Stobe und Stobaeus) häufig auf Stubben = Baumstumpf verwiesen; sei es, dass er ursrünglich als Über- oder Spitzname für einen kleinen untersetzten Kerl diente, oder als Herkunftsname auf einen Landbesitzer angewendet wurde, dessen Rodeland Stubben aufwies. Im Nordfriesischen Dialekt des dänisch-holsteinischen Raumes soll das Wort "stobbe" synonym für Erbgrundbesitz (Erbhofstede) sein. In der holländischen Sprache ist Stobbe das gleiche Wort wie das hochdeutsche Stubbe. Vielleicht erkllärt sich daraus die in den Niederianden vermutete Entstehung des Familiennames.

Trifft die Annahme zu, dass der Ursprung der Familie Stobbe im geographischen Bereich der heutigen Niderlande zu suchen ist, dann müsste der Name schon vor dem 14.Jahrhundert dort nachzuweisen sein. Denn für 1377 ist er bereits in Danzig belegt, wo ein Matis Stobbe am "Grünen Tor" und ein Heinrich Stobbe in der Brotbänkengasse wohnen. Aus Steuerlisten geht hervor, dass 1401 ein Arnold Stobbe und 1403 ein Tyle Stobbe in Danzig steuerpflichtig waren.

Der vorreformatorischen Zeit entsprechend, werden sie Bürger römisch-katholischen Glaubens gewesen sein. Für die im 16. Jahrhundert in Brauns berg, Soldau, Graudenz und Königsberg nachweislich ansässigen Stobbes braucht das nicht mehr zuzutreffen.

 

Im 17.Jahrhundert ist der Name Stobbe zwischen Danzig und Memel weit und in allen sozialen Schichten verbreitet. Hierbei lassen sich durch den Glauben getrennte Familiengruppen deutlich erkennen. Geographisch sind katholische Stobbes vor allem im Ermland zu finden, während mennonitische Stobbes zunächst nur an der Weichsel und vor allem im Siedlungsgebiet mennonitische Niederländer ostwärts Danzig auftauchen. Evangelische oder reformierte Familien sind an vielen Orten West- und Ostpreussens nachweisbar.

Zumindest bei den Mennoniten handelt es sich nicht um Nachkommen bereits im Lande befindlicher Stobbes, sondern um einen neuen Zuzug aus den Niederlanden. Dort hatte der katholische Priester Menno Simons ( 1496 bis 1561 ) eine Religionsgemeinschaft gegründet, die sich später nach seinem Vornamem benannte. Es bilden sich apostolisch verfasste Gemeinden mit strenger Zucht und Erwachsenentaufe. 1550 sind flüchtige Taufgesinnte aus Holland im Danziger Werder registriert. Um 1562, als die "Doopgesinnten" in den spanischen Niederlanden verstärkt bedrängt sind, erfolgt weiterer Zuzug im Danziger werder. Mennoniten dürfen das Land zu nächst nur pachten, so z.B. das Gut Tiegenhof. Später werden sie Erbpächter und Besitzer.

Ob die Vorfahren der Grossfamilie Stobbe - Tiegenhof bereits zu dieser Gruppe gehörten, oder erst später nachgezogen sind, ist nicht bekannt, weil in der Familiengeschichte wichtige Bindeglieder fehlen.

 

Der erste Mennonit Stobbe mit dem seltenen Vornamen Ertmann wird als Unterzeichner eines Fachtvertrages mit dem Rat von Culm (120 km südlich Danzig) für 1597 bis 1627 genannt. Ohne nähere Ortangabe werden wiederum ein Erdtmann und ein Martin Stobbe am 4. 8. 1692 bei Abschluss eines Pachtvertrages erwähnt. Sein Sohn Ertmann wird 1704 - im Jünglings alter - menonitisch in der Gemeinde Montau (60 km südlich Danzig) getauft.

In der gleichen Gegend und im gleichen Zeitraum lebt der älteste bekannte Vorfahr der Grossfamilie Stobbe - Tiegenhof, der Hakenbüder (Händler) Peter Stobbe. Man weiss, dass er vor 1690 geboren wurde, Mennonit war, mindestens zeitweilig in Neumünsterberg (30 km südostwärst Danzig) gelebt hat und 1736 in dem unweit gelegenen Ort Schönsee gestorben ist. Er hatte mindestens 7 Kinder, von denen der zweitgeborene Sohn den Name Erdmann erhielt - der Erstgeborene hiess Peter wie der Vater.

Derkt man an die Vorliebe, bestimmte Taufnamen vom Vater auf den Sohn und Enkel aber auch auf den Neffen und Grossneffen zu Übertragen, so ist bei der Seltenheit des ungewöhnlichen Vornamens Erdmann eine nahe ver- wandtschaftliche Beziehung zwischen Peter Stobbe und dem Montauer Ertmann Stobbe sehr wahrscheinlich.

In der Grossfamilie Stobbe - Tiegenhof taucht der Vorname Erdmann noch in vier weiteren Generationen auf, während er aus anderen Stobbe-Familien nicht bekannt geworden ist.

An unmittelbaren Nachkommen - Namensträgern - des Ahheren Peter Stobbe (16.. bis 1736) und seiner Ehefrau Sara geb. Dyck, sind bislang 245 festgestellt. Im Gegensatz zum statistischen Durchschnitt befinden sich darunter deutlich mehr Knabengeburten ( 3:2 ). Hinzuzuzählen sind etwa 150 Nachkommen - Nichtnamensträger - durch ausheiratendeTöchter. Aus den ersten drei Generationen nach Peter Stobbe sind die Lebensabläufe der Geschwister nicht bekannt. Mindstens einer davon ist Ende des 18. Jahrhunderst mit anderen Mennoniten nach Russland ausgewandert. Am Asowschen Meer entstanden zahlreiche Siedlungen mit den aus dem Grossen Marienburger Werder vertrauten Ortsnamen. Hier entwickelte sich ein neuer starker Stamm Stobbe. Ein "Vetter" hat in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts die alte Heimatstadt Tiegenhof aufgesucht und Familienforschung betrieben. Der 2. Weltkrieg, in dem auf russischer Seite die deutschen Familien getrennt und deportiert wurden, hat alle Verbindungen unterbrochen. Neu angeknüpft werden konnten sie allerdings nach dem Kriege mit denjenigen Stobbes, die Ende des 19. Jahrhunderts aus Russland nach Nordamerika weiterwanderten. Unter den kanadischen Mennoniten in Saskatchewan findet man heute noch Vornamen wie Peter, Heinrich,Hermann, wie sie gehäuft in der Grossfamilie Stobbe-Tigenhof gebräuch lich waren. Ein Erdmann konnte allerdings bisher nicht festgestellt werden.

 

Betr.: Geographische Ortsangaben, die mit dem Familiennamen zusammenhängen können.

Qu. :

a) Franz Stobbe (gest.) In einem Brief an einen Einwohner Stobbe auf der Insel Terschelling: vom 21.7.1975

b) Horst Stobbe in Menn. Geschichtsblätter Nr. 3 (siehe Sonderblatt)

c) Verzeichnis der Postleitzahlen 1981

 

Zu a)

Franz Stobbe gibt als topographische Bezeichnungen ohne nähere Hinweise auf die geographische Lage an: De Stobben ; Stobbehoek; Stobberak und Stobbegat.

Als geographische Ortsbezeichnung nennt er Stobbendorf, ein durch Hochwasser gefährdetes Dorf am "Frische Haff" / Ostsee.

 

Zu b)

Das gleiche Dorf Stobbendorf ist wiederholt erwähnt. Siehe Auszug und Bewertung auf dem Sonderblatt

 

Zu c)

Stubben: Drei Ortschaften in der Bundesrepublik

- 2061 Stubben bei Bad Oldesloe

- 2855 Stubben bei Bremerhaven

- 2361 Stubben Kreis Segeberg

 

Stubbendorf: Eine Ortschaft in der BRD, zwei in der DDR

- 2067 Stubbendorf (Oldesloe)

- DDR 2551 Stubbendorf Post Gnewitz über Rostock

- DDR 2041 Stubbendorf über Malchin

 

Stubbenkammer auf der Nordostspitze der Ostseeinsel Rügen. Offenbar topographischer Punkt, da im Postleitzahlverzeichnis nicht enthalten

Betr.: Stobbendorf am Frischen Haff an der Tiegemündung

Qu.: Horst Penner: Ansiedlung mennonitischer Niederländer im Weichselmündungsgebiet von der Mitte des 16.Jahrhunderts bis zum Beginn der preussischen Zeit. Nr.3 der Schriftenreihe des mennonitischen Geschichtsvereins, Weierhof (pfalz) 1940

S. 54 "Über.. Aus drücklich als Holländerhufen bezeichneten Dörfer hinaus gibt es aber in der Tiegenhöfer Oekonomie noch eine ganze Anzahl von Dorfschaften, die zu gewissen Zeiten einer starken, niederländischen Einwanderung unterlegen sind. - So verpachtet im Jahre 1594 Ernst Weyher das 15 Hufen und 24 Morgen grosse Dorf Stobbendorf (Habbendorf) für die Zeit von 30 Jahren an Holländer. Das dorf, dicht am Haff gelegen, war bei Nordsturm durch das gestaute Haffwasser besonders bedroht.

Durch solche Stürme gingen "innerhalb von nicht 80 Jahren ein Viertel des Dorflandes verloren..... Es scheint so, als sei man sich seit der ersten Ansiedlung wegen der Unsicherheit des Ernteerfolges mehr und mehr der Fischerei zugewandt hat."

Auf Karten dieses Jahrhunderts heisst das Dorf 6 km nördlich der Stadt Tiegenhof inzwischen Stobbendorf II. Über einen eventuellen Untergang des ersten Stobbendorf und Wiederaufbau an anderer Stelle habe ich bischer nichts gefunden. Das in Klammern gesetzte (Habbendorf) ist nicht erläutert. Wenn es der ursprüngliche Ortsname war, so ist anzunehmen, dass Stobbendorf nach dem Pächter oder den Pächtern (Besitzern) umgetauft worden ist.

 

Der Familiennamen Stobbe im 14. Jahrhundert und 15. Jhdt.

Qu.: Brief des verstorbenen Franz Stobbe aus Hannover an einen Namensvetter auf der Insel Terschelling v. 21.7.1975

F. Stobbe schreibt: "In der Literatur habe ich gefunden" , gibt aber keine Belege dafür.

1377 In Danzig STOBBE MATIS wohnt an "Grünen Tor" STOBBE HEINRICH, wohnt in der Brotbänkengasse

1401 STOBBE ARNOLD zahlt am 24.Februar 1401 Steuern

1403 STOBBE TYLE zahlt am 23. Januar 1403 Steuern

1409 STOBBE TYLE zahlt Steuern

Die Steuern werden an den deutschen Ritterorden gezahlt. Dieser hat ab1230 das Weichseldelta missioniert (röm.-kath.) und besiedeln lassen."

Alle vier Personen gehören ins 14. Jahrhundert, denn auch die Steuerzahler sind weit vor der Jahrhundertwende geboren. In der vorreformatorischen Zeit sind sie mit Sicherheit alle röm.-kath. Glaubens gewesen. Ob sie bereits im Weichselgebiet "einheimisch" waren oder (von Westen her) zuwanderten, ist nicht bekannt. Um das Jahr 1000 war Danzig Hauptort von Pomerellen. 1309 kam es an den Dt. Orden und trat 1358 der Hanse bei.

 

Der Familienname Stobbe im 16. Jahrhundert

Qu.: a) Brief des verst. Franz Stobbe aus Hannover an einen Namensvetter auf der Insel Terschelling vom 21.7.1975

b) Mitteilungen von Dr. Erwin Friz aus Oldenburg. Beide beziehen sich auf Literatur, aber nur Dr. Friz gibt jeweils die Quelle seiner Information an.

1532
Braunsberg/Pr.;STOBBE GEORG geboren. Er war ab 1584 kath. Bischof von Lavant in Kärnten. Lehnt 1604 den Kardinalshut ab. Berater des Hauses Habsburg in politischen Angelegenheiten über Preussen und Schlesien. Starb 1618 in Lavant und wurde in St.Andrä zu Braunsberg beigesetzt. Qu. a)

1580
Graudenz/Weischel ; STOBBE JOHANN geboren. Er war Kantor und Kapellmeister an der Schlosskirche in Königsberg/Pr. Dortselbest 1646 gestorben. Qu.a) Vermutlich evangel. Religion.

1586
Soldau/Pr.; STOBBE Friedrich geboren. 1610 ordiniert. Von 1612-20 an der Heiligen-Geist-Kirche zu Elbing Pfarrer. 1620-21 an der Marienkirche. Starb am 5.11.1621 zu Elbing.

Qu b) Altpreussisches Pfarrerbuch S. 170/172

1591
Königsberg/Pr.; STOBBE CASPAR am 13.6. geboren. Sohn des Saltzpackers Steffan Stobbe. Ist Instrumentenmacher. Heiratet I. 1616 Barbara Kolbe aus Leipzig und II. 1620/21 Susanna Apitz aus Dresden (* 1585 + 7.11.1636). Caspar stirbt am 28.5.1935. Qu. b) Witt: Leichenpredigten der Altstädtischen Kirche zu Königsberg/Pr. 1626-37, Sonderschreiben Nr.3 S.700

1598
Königsberg/Pr. Stobbe Heinrich,von Beruf "Hoffglaser", heiratet Catharina Bohl (* 12.6.1573 + 12.3.1636), starb 1634. Witt: Leichenpredigten der Altstädtischen Kirche zu Königsberg/Pr. 1626-37 Nr. 701. Qu. a) ergänzt: ab 1616 versuchte sich der Hofglaser und Amulierer in der neuen Mode der Schmelzglas-oder Emailglaserei (Hof = Herzog in Preussen-Königsberg)

 

Der Familienname Stobbe im 17. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert ist der Name Stobbe zwischen Danzig und Memel Weit und in allen sozialen Schichten verbreitet. Franz Stobbe Hannover macht genauere Angaben über zwei, Dr. Friz über 20 personen (Familien). Für die Zwecke der Familienforschung wurden nur diejenigen ausgewählt, die entweder ihrer Bedeutung wegen oder vermuteter Verwandtschaft von Interesse sind. Die Quelle ist jeweils am Ende der Personenbeschreibung angefügt.

1619
Königsberg/Pr.; STOBBE SAMUEL, geb. 18.6. War Rektor an der Löbenichter Schule zu Königsberg, heiratete am 6.10.1659 Dorothea geb.Flottwek, hatte eine Tochter Maria. Starb am 28.3.1661. An anderer Stelle wird Samuel auch als Schöppenmeister des Löbenichts beschrieben. Qu. Dr. Friz aus Johs. Gallandi: Königsberg Stadtgeschlechter (Sonderschreiben Nr.1 S.24) Sohn von Freidrich Stobbe siehe 16. Jhdt.

1629
Graudenz/Weichsel ; STOBBE Severin gestorben. War evangelischer Pfarrer an der Pfarrkirche zu Graudenz. Qu. Franz Stobbe ohne Nähere Angaben.

1631
Königsberg/Pr.;STOBBE Paul wird im Januar in der Altstädt. Kirche begraben. War Zimmermann und "Der Polnischen Gemeine Kirchenvater" Qu. Dr. Friz aus Witt, Leichenpredigten usw.

1632
Königsberg/Pr.; Dem STOBBE ISAAK (STOBB) und der Regina Eckloff wird die Tochter ANNA geboren. Offensichtlich vorher schon Sohn Jacob Stobb, Gerichtsvern. des Löbenichts, +18.12.1661. Davon David Stobbe* 31.3.1656, Ratsherr und Kämmerer des Löbenichts, heiratet 14.3.1665 Dorothea geb. Höpner und stirbt am 10.10.1704 Qu. Dr. Friz aus Johs. Gallandi, Königsberger Stadtgeschlechter, Familienübersicht Stobbe.

1692
Ohne Ortsangabe; STOBBE ERDTMANN und STOBBE MARTIN werden am 4.8. gemannt als Vertreter einer Siedlergruppe bei Abschluss eines Pachtvertrages. Als Mennoniten bezeichnet. Qu. Franz Stobbe. In Wiebe: "Das siedlungswerk niederländischer Monnoniten im Weichseltal zwischen Fordon und Weissenberg bis zum Ausgang des 18. Jahrhundert wird gang angeführt: " als Unterzeichner eines Pachvertrages mit dem Rat von Culm 1597-1627 ...... Ertmann Stobbe" Auffallend ist der seltene Vorname Ertmann (Erdtmann) jedoch liegen, wenn die Jahreszahlen stimmen, mehrere Generationen dazwischen.

1709
Wird in Montau an der Gabelung von Weichsel und Nogat ein STOBBE ERTMANN mennonitisch ( also im Jünglingsalter ) getauft.

Aks Vater wird ebenfalls ein STOBBE ERTMANN genannt. Der Täufling muss also noch im abgelaufenen Jahrhundert geboren sein.


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